In ein paar Wochen verändert sich nicht nur das Leben von mir und David noch einmal, sondern auch das vom Minikröhnchen. Von jetzt auf gleich wird er großer Bruder sein. Plötzlich ist da ein Baby, was eben auch Bedürfnisse hat, viele. Und selbst kann es sie noch weniger befriedigen, als der Mini. Plötzlich müssen wir unsere Zeit für zwei Kinder aufteilen, die beide noch nicht wirklich verstehen, dass eben auch der andere gerade mal Zuwendung braucht.

Wie bereitet man so einen kleinen Menschen wie das Minikröhnchen drauf vor? Es ist ja nicht so, dass wir es nicht irgendwie versuchen würden. Aber irgendwie interessiert es ihn absolut ganz und gar nicht, wie denn auch? Er ist 16 Monate alt, das Verständnis für soetwas ist noch gar nicht da. Er kann noch nicht verstehen, dass in Mamas Bauch ein Baby ist und bald bei uns ist. Dennoch habe ich das Gefühl, ihn zu wenig drauf vorzubereiten. Und mal wieder ist Instagram Fluch und Segen zugleich.

Ich hatte ja bereits erwähnt, dass ein paar der damals Mitschwangeren nun auch wieder Babys bekommen, ziemlich um den Dreh wie ich auch. Die Altersabstände sind also ungefähr gleich. Und tatsächlich gibt es dort Kinder, die den Bauch streicheln, küssen und verliebt „Baby“ schnurren. Und das Minikröhnchen? Dem ist das alles egal. Sicher, all das kann man einem Kind in dem Alter auch „beibringen“. Nur kommt mir das dann etwas doof vor, das Minikröhnchen wie im Zirkus zu bitten „Streichelst du das Baby?“ „Gibst du dem Baby einen Kuss?“ Ich würde mir nur irgendwie wünschen, dass die Babybombe ihn nicht ganz unerwartet trifft. Denn ja, ich habe ein bisschen Angst davor, dass er sich vernachlässigt fühlt wenn die Kleine da ist.

Das Alter momentan ist so schön, er lernt so vieles, guckt sich alltägliche Dinge von uns ab und ist so ausgeglichen, wie schon lang nicht mehr. Wir lachen viel zusammen, machen Blödsinn und gucken Bücher an. Ich liebe diese Zeit mit ihm, diese Momente für uns. Und in ein paar Wochen ist alles anders. Ich kann dann nicht den ganzen Tag nur für ihn da sein, so gern ich es auch würde. Ich möchte ihn so gut es geht immer mit einbeziehen, wenn wir uns um das Pixikröhnchen kümmern. Damit er weiß, dass er uns helfen kann und wir ihn trotzdem bei uns haben wollen. Er soll nicht das Gefühl haben, dass er nicht dazu gehört. Er soll nicht denken, dass er ersetzt wird.

Ich wünsche mir so sehr, dass das Minikröhnchen es ein bisschen versteht. Dass das Baby dann zu uns gehört, dass er aber dennoch nicht weniger Platz in unserem Leben hat. Ich wünsche mir, dass er sich dann noch genauso gern mit mir beschäftigt und mit mir Bücher anguckt, auch wenn mal das Pixikröhnchen dabei ist. Nennt mich egoistisch, aber ich habe Angst, dass das Minikröhnchen sich von mir entfernt. David nimmt zwei Monate Elternzeit, in der er natürlich auch viel Zeit mit dem Mini verbringen wird. Einfach, damit er trotz Baby seine nötige Aufmerksamkeit bekommt. Ich bin mir sicher, dass diese Zeit die beiden noch enger zusammen schweißen wird als eh schon. Und ich finde es schön, dass die beiden diese gemeinsame Zeit haben werden. Aber auf der anderen Seite, bestärkt das meine Angst noch mehr. Und wenn die Elternzeit dann vorbei ist, wird für den Mini die Welt untergehen.

Natürlich kann es sein, dass ich mir das alles viel komplizierter vorstelle als es ist. Vielleicht ist das Minikröhnchen direkt total begeistert von seiner Schwester, gibt ihr Küsschen und möchte immer um sie sein. Aber ich kenne mein Kind. Er ist ein Skeptiker. Bevor er in eine neue Situation gehen kann, muss er beobachten. Wenn ihm etwas komisch vorkommt, zieht er sich zurück und sucht Zuflucht – meistens beim Papa. Es dauert oft eine ganze Weile, bis er auftaut. Das hängt auch immer ganz von seinem Gegenüber ab. Geht jemand direkt freundlich und offen auf ihn zu, muntert ihn auf und albert herum, ist er schnell dabei und geht darauf ein. Ist jemand eher unsicher, so ist auch er eher unsicher und macht lieber einen Bogen. Wie viel Freude, Zuneigung und Entertainment kann ein Neugeborenes in seinen Augen schon zeigen? Mal ganz davon abgesehen, dass dieses Neugeborene quasi ständig bei Mama und Papa ist und sie ihm weg nimmt.

Vielleicht wird es aber wie gesagt auch ganz anders und das Minikröhnchen überrascht mich. Vielleicht wird er von ganz allein, quasi instinktiv, ein toller großer Bruder. Der aufgeregt zu uns kommt, wenn seine Schwester weint. Der sich zu uns kuschelt. Der dem Pixikröhnchen die Welt zeigt. Und auch wenn der Start nicht so rosarot und flauschig wird, dann wünsche ich mir, dass er irgendwann ein großartiger großer Bruder wird. Wobei ich mir da eigentlich ziemlich sicher bin. Denn auch wenn er ein anfänglicher Skeptiker ist, ist er absolut liebenswert und wundervoll, wenn er jemanden ins Herz geschlossen hat ❤️