Das Wochenbett, irgendwie ist das so ein Mysterium über das man sich nie so wirklich Gedanken macht. Bis es dann da ist, oder sogar schon vorbei. So ging es mir zumindest beim ersten Wochenbett. Es hat quasi nicht existiert, denn irgendwie war ich direkt wieder im Alltag zurück, so gut wie es ging. Nichts mit stundenlang Babyplüsch und im Bett liegen bis nachmittags. Im Nachhinein bereute ich das sehr, denn ich bin mir sicher, dass auch das Minikröhnchen etwas entspannter gewesen wäre hätten wir einen ruhigeren Start gehabt. Und für mich stand fest – beim nächsten Mal mache ich es anders!

Haushalt

Beim Minikröhnchen hatten wir natürlich ganz andere Bedingungen, das darf man nicht vergessen. David hatte statt zwei Monaten nur zwei Wochen frei, eine davon verbrachte ich mit dem Mini noch in der Kinderklinik. Als David nach zwei Wochen wieder arbeiten ging, war am Tag ich allein. Allein mit Baby, viel Geschrei, Haushalt und Versorgung von mir selbst. Ich schnallte mir morgens das Minikröhnchen in die Trage, erledigte den Haushalt und war nachmittags, wenn der Mini seine Schrei-Hochphase hatte total platt.

Logisch, wenn man bedenkt dass man selbst ja auch erstmal wieder zuhause ankommen muss nach so einer Geburt. Immerhin ist im eigenen Körper ja auch noch so einiges durcheinander und statt mich mal entspannt hinzulegen und zu schlafen saugte, fegte und wischte ich die Wohnung, wusch Wäsche, hing selbige auf und versuchte immer etwas halbwegs nahrhaftes zum Essen zu haben. Letzteres kam leider oft zu kurz und wurde dann zu Toast mit Nutella oder anderes. Ich machte mir selbst Stress und Druck, weil ich die Wohnung genau so ordentlich und sauber haben wollte, wie vorher.

Und jetzt? Jetzt wird eben nicht jeden Tag Staub gesaugt, nicht immer Stich Donnerstag gewischt und das Bad geputzt. Die Spiegel dürfen mal dreckig sein und auch sonst bin ich nicht mehr ganz so pingelig. Auch wenn David zuhause ist und mich unterstützt, lassen wir es ganz langsam angehen. An erster Stelle steht jetzt in Sachen Haushalt nicht mehr die Sauberkeit in der Wohnung, sondern das Essen. Allein schon wegen dem Minikröhnchen, der ja auch mittags vernünftig essen soll. Das heißt nicht, dass man bei uns über Tonnen von Müll und Dreck stolpert, sondern einfach dass wir uns keinen Stress machen.

Besuch wird erwartet und im Flur sind noch die Reifenspuren vom Kinderwagen? Unter dem Stuhl vom Minikröhnchen sind noch Krümel vom Frühstück? Im Wohnzimmer liegt noch Spielzeug auf Sofa, Tisch und Boden? Das ist dann halt so und der Besuch hat ja im Prinzip eh nur Augen fürs Baby.

Besuch

Besuch ist ja generell so eine Sache im Wochenbett. Beim Minikröhnchen hatten wir bereits zwei Tage nach der Geburt Besuch, da wir meiner Schwägerin und Schwager Karten für ein Konzert in Hamburg geschenkt hatten. Sie übernachteten bei uns und wir hüteten abends unsere Nichte. Das war für mich vollkommen in Ordnung, immerhin wusste meine Schwägerin scheinbar selbst noch wie empfindlich man als Mama bei einem so winzigen Baby ist.

Dennoch wollte ich das dieses Mal anders machen. Auch wenn die Übernachtungsgäste mich nicht gestört haben, so habe ich mir doch etwas Stress damit gemacht. Sie sollten immerhin auch etwas essen können und möglichst gut schlafen, weshalb wir auf das Sofa im Kinderzimmer umzogen und die drei Besucher im Schlafzimmer unterkamen. Mal ganz davon abgesehen, dass wir das Sofa im vergangenen Jahr weg gegeben haben würde ich das nun nicht mehr machen. Ein großes Bett, gerade wenn nachts dann noch der Mini mit dazu kommt, ist schon ganz nett mit einem Stillbaby.

Auch später finde ich, hatten wir zu viel und zu lange Besuch. Es war eine eh schon unruhige Zeit für uns, die wir hätten nutzen sollen um uns kennenzulernen. Nicht dafür, dass jeder möglichst schnell das Minikröhnchen sieht. Ich saß in einem hässlichen Zwiespalt. Einerseits wollte ich die Anfangszeit genießen und aufsaugen, andererseits wollte ich niemanden „enttäuschen“, wenn wir eben momentan keinen Besuch haben wollen. Nur ein einziges Mal habe ich es geschafft auf mein Bauchgefühl zu hören das ganz laut schrie „Gönnt euch Ruhe!“ Das ist eigentlich ziemlich mies und ich bereue es, dass ich das nicht öfter getan habe.

Es ist nicht so, dass wir jetzt keinen Besuch haben. Ich freue mich auch über Besuch, ohne Frage. Nur ist er eben noch kurz und die großen Besuche haben wir erst im April, wenn das Pixikröhnchen eben auch schon einen Monat alt ist.

Termine

Das Minikröhnchen wurde geboren und schon war seine Spalte im Kalender voll mit Terminen. U2, U3, später dann kamen diverse Termine bei Osteopathen und zur Gewichtskontrolle hinzu. Was hasse ich Termine! Schon allein wenn ich einen Termin beim Arzt habe, sitzt mir dieser im Nacken und ich kann einfach nicht entspannen ehe der Termin war. Und so ein Baby, das eben auch mal außer der Reihe Bedürfnisse hat und nicht planbar ist, macht Terminstress noch nerviger.

Unter anderem um dies zu verhindern bin ich dieses Mal, anders als beim Minikröhnchen für 3 Tage im Krankenhaus geblieben. Hier wurde direkt die U2 mit abgenommen, auch das Neugeborenenscreening wurde gemacht. Einzig den Hörtest werden wir morgen ambulant nachholen. Und dann geht es erst mit der U3 in zwei Wochen weiter. Sicher, die Termine beim Osteopathen und Kontrollen waren nur zum besten fürs Minikröhnchen, wir haben so vieles versucht um ihn von seinem Schreien zu erlösen. Dennoch bin ich froh, dass wir das nun nicht müssen und hoffe, dass es auch so bleibt.

Aber auch mit kleineren Terminen, wie einfach mal zum Drogeriemarkt oder zur Apotheke gehen stresse ich mich jetzt nicht mehr. Ich schaffe es vormittags nicht dorthin? Dann eben nachmittags oder am nächsten Tag. Und zur Not schicke ich eben David los, wenn ich es selbst nicht schaffe. Es gibt eben momentan wichtigeres, als alles allein zu erledigen.

Und so habe ich auch kaum ein schlechtes Gewissen, wenn David morgens schon die Einkäufe mit dem Minikröhnchen erledigt und ich noch mit dem Pixikröhnchen im Bett bleibe. Diese Zeit ist so wichtig für uns, für unsere Bindung. Und darum nehme ich sie mir ganz egoistisch und genieße. Genieße diesen Babyflausch, den Duft und all diese Dinge, die viel zu schnell vorbei sind.