Wie ihr bestimmt schon gelesen habt, hat meine kleine Singer Symphonie VI Nähmaschine kurz vor Weihnachten den Geist aufgegeben, was ein denkbar unschönes Ereignis zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt war. Nachdem ich erst ein paar Tage frustriert vor mich hin schmollte und dem Nähen gänzlich den Rücken kehren wollte, siegte dann schließlich doch die Vernunft und ich wusste, dass ich eine neue Maschine brauchte. Eine Maschine, die meinen Ansprüchen auch in ein paar Jahren noch genügt und mit der ich weniger Frust hätte als mit der letzten. Eine Maschine, die mit guten Bewertungen überzeugt und mit diversen Extras glänzt. Aber als ich mich genauer mit der Materie beschäftigte wurde mir klar, dass es gar nicht so einfach werden würde, DIE Nähmaschine für mich zu finden.

Was muss sie können?

Wichtig waren mir vor allem gute Bewertungen in diversen Foren wie zum Beispiel Hobbyschneiderin24, Dawanda-Forum oder auch im Nähforum von Nähmaschinen-Test. Hier kann man davon ausgehen, dass die Erfahrungsberichte wirklich authentisch sind und es werden viele Tipps gegeben, was welche Maschine kann oder auch eben nicht kann. Nachdem ich mich etwas belesen hatte, waren die anfänglichen Anforderungen natürlich immens gestiegen. Vor der Recherche wollte ich einfach nur eine Maschine, die mit dicken Stoffen wie Jeans oder auch dickem Teddyfleece gut umgehen kann, sie sollte ein schönes gerades Licht haben und leise sein. Das war es auch schon, mehr hatte ich nicht erwartet. Nach diesen Kriterien kann man natürlich keine Maschine finden, denn der Markt ist entgegen meiner ersten Vermutungen überfüllt mit Maschinen jeder Art. Nähmaschinen mechanisch oder computergesteuert, Näh- und Stickmaschinen, Stickmaschinen oder Overlockmaschinen. Der Preis war natürlich auch ein Punkt, der mir wirklich wichtig war. Die Maschine sollte nicht zu teuer sein, aber auch kein „Billigschrott“, der nach zwei Stunden freudigem Nähen anfängt zu klopfen und zu qualmen. Ich setzte mir anfänglich ein Limit von 200 €, aber als ich die Preise der mehrfach empfohlenen Maschinen im mittleren Preissegment sah, wurde mir ziemlich schlecht. Die Spanne ging von knapp 250 € bis hoch zu 900 €, nach oben hin waren natürlich bei den höherwertigen Maschinen keine Grenzen gesetzt. Hier kann man gut und gerne 8000 € für ein Nähwunder ausgeben, welches natürlich auch noch sticken kann und sogar nach eigener Vorlage Muster oder Zeichnungen vollautomatisch stickt. Nett wäre es natürlich, aber mir war klar dass ich diesen Preis für eine Nähmaschine wohl nie ohne schlechtes Gewissen ausgeben würde. Aber zumindest ein paar nette Extras wollte ich dann doch haben, nachdem ich wusste was alles möglich war. Ein paar Dekostiche wären nicht schlecht, ein Alphabet nach Möglichkeit mit Groß- und Kleinbuchstaben, Overlockstiche, ein Freiarm, eine nette Einfädelhilfe, eine automatische Vernähtaste, diverse Knopflochstiche, Stopffunktion, Freihandnähen und natürlich ein umfangreiches Zubehör. Na bitte, damit ließ sich doch bestimmt eine geeignete Maschine für mich finden.

Die Vorauswahl

Tatsächlich konnte ich mit den angegebenen Kriterien dank diverser Foren schon eine angemessene Vorauswahl treffen. So wurden beispielsweise die Maschinen von der Marke Carina immer wieder gelobt und als besonders robust und langlebig hervorgehoben. In meinen gesetzten Kostenrahmen passten hier drei verschiedene Modelle. Die Carina Evolution, die preislich etwas unter meinem Budget lag und einen großen Funktionspool hatte. Die Carina Premium, die vom Preis-Leistungs-Verhältnis wirklich fast unschlagbar war und die Carina Professional, die günstig war und von der Frau eines Kollegen empfohlen wurde. Auch eine Pfaff zog ich in meine engere Auswahl ein, es handelte sich um das Modell Hobby 1142. Preislich lag sie bei knapp 400 €, bot aber leider nicht den Funktionsumfang den man sich für diesen Preis erhofft, hier wird eben auch fast nur für den Namen bezahlt. Trotz meiner schlechten Erfahrungen mit Singer nahm ich auch ein Modell von dieser Marke mit auf, vielleicht könnte sie mich ja eines besseren belehren und meine Meinung über die Marke ändern. Ich entschied mich hier für die Singer Quantum Stylist. Der Preis lag fast 200 € über meinem Budget, sie überzeugte mich allerdings durch die vielen Stiche und 5 Alphabete, die sie mitlieferte. Und zu guter letzt kamen noch zwei Maschinen der Marke W6 Wertarbeit zu meiner Auswahl hinzu. Als erstes fasste ich die W6 N3300 Exklusive ins Auge, die mit 250 € ein preislicher Knaller war und trotzdem viele Funktionen bot. Nach etwas mehr Stöberei in dieser Marke stieß ich allerdings auf ihre große Schwester, die W6 N5000, die letztes Jahr im Juli auf den Markt kam. Mit 400 € lag sie genau im Budget und bot Funktionen, die andere erst ab einer Grenze von über 900 € beeinhalteten.
Jede der Maschinen recherchierte ich ausgiebig in Nähforen, suchte nach ihnen bei Amazon und falls sie dort verfügbar waren studierte ich die Kundenrezensionen der jeweiligen Modelle. Hierbei wurden schon einige der Maschinen eliminiert, da hier und da immer wieder Probleme auftraten und teilweise auch Probleme mit dem Service erwähnt wurden. So war es beispielsweise mit den Modellen von Carina, die zwar auf den ersten Blick durchweg verlockend waren, auf den zweiten allerdings weniger Nähspaß versprachen. Berichte über reißende Fäden, Fadensalate oder Probleme beim Einsetzen der Unterfadenspule ließen mich schnell abschrecken. Meiner Meinung nach sollte eine Nähmaschine einfach zu bedienen sein und nicht eine Wissenschaft draus machen, wie und wo eine Unterfadenspule eingelegt werden soll. Auch von der Pfaff verabschiedete ich mich recht schnell. Mir fehlten die Alphabete, die maximale Stichbreite lag nur bei 5mm und sie verfügte nur über insgesamt knapp 30 Stiche. Für einen Preis von 369,99 € kann man schon durchaus mehr erwarten. Auch die Rezensionen waren nicht allzu überzeugend. Die Lautstärke und das ständige „Hacken“ wurden bemängelt. Die Singer hätte durchaus eine tolle Maschine sein können, ich war begeistert vom Funktionsspektrum. Es schreckten mich jedoch der Preis und meine bisherige Singer-Erfahrung ab und Sprüche wie „Von Singer nimm die Finger“, die wild in den Foren kursierten schlossen dann auch dieses Maschinchen aus. So blieben nur noch die beiden Modelle von Wertarbeit, zwischen denen ich mich nun entscheiden musste. Bei der N3300 zogen mich der Preis und die vergleichsmäßig vielen Funktionen an. Es ist aber nunmal so, dass wir Menschen immer mehr wollen. Mehr, als wir vielleicht brauchen. Und meine innere Stimme fragte: „Warum nicht 150 € mehr ausgeben und dafür um einiges mehr an Funktionen haben?“. Und so kam es, dass ich mich immer mehr mit der N5000 beschäftigte und mich nach und nach verliebte. Ja, das sollte die Maschine sein, die mich hoffentlich die nächsten paar Jahre begleiten sollte.

Ein Blick über den Tellerrand und in ein Nähgeschäft in der Eifel

Wie schon erwähnt, ist den Nähmaschinenpreisen nach oben keine Grenze gesetzt und es gibt durchaus Modelle, die ich nur zu gern mein Eigen nennen würde. Besonders fasziniert bin ich von den Maschinen der Marke Bernina, auf die Cora mich vor einiger Zeit gestoßen hatte. Sie sind modern, stylisch und bieten zahlreiche Funktionen – zu einem leider nicht allzu günstigen Preis. Ein äußerst praktisches Tool auf der ebenfalls sehr modernen Webseite ist der Nähmaschinenfinder, in dem man sein Nählevel und die Anforderungen an die Maschine angeben kann. Als ich das erste Mal die Ergebnisse dieses Filters sah, kippte ich fast aus den Latschen – die günstigste Maschine kostete 2099,00 €. Das war doch mal eine Ansage, dachte ich mir. Aber je mehr ich mich mit den Maschinen beschäftigte, desto mehr wollte ich sie haben. Auch wenn ich wusste, dass sie vorerst unerreichbar waren. In den Foren wurden sie in den höchsten Tönen gelobt und angepriesen, selbst die „billigen“ Einsteigermodelle waren so hochwertig und modern verarbeitet, dass sie mehrere Jahre hielten und ihren Dienst treu erwiesen. Nur leider boten sie in meinem Preisrahmen nich die Funktionen, die ich gern gehabt hätte und so entfernten sich die Maschinen immer mehr aus meinem Blickfeld. Ich werde sie mir jedoch im Hinterkopf behalten, wer weiß was in 10-15 Jahren ist. Vielleicht nähe ich dann noch immer so gern wie jetzt, vielleicht kann ich dann wie die Profis auf zwei Maschinen umsteigen und vielleicht wird es dann ja eine Maschine von Bernina, die ich inzwischen als die Königin der Nähmaschinen ansehe. Ein hoher Preis, steht in diesem Fall wohl wirklich für sehr gute Qualität und es lohnt sich definitiv diesen Preis auch zu bezahlen, selbst wenn es wehtut.
Weh getan hat auch ein Erlebnis, das ich vor ca. einer Woche in einem kleinen Nähladen in unserer Gegend hatte. Das kleine Geschäft lockte mit Nähmaschinen der Marke Brother, die mir für den Preis einfach zu wenig gute Bewertungen und zu wenig Funktionen hatten und mit Maschinen von Bernina. Selbst wenn ich sie nicht kaufen würde, ich wollte wenigstens eine Maschine Probenähen! Als ich den Laden betrat ging mir direkt der Satz „Warum hatte ich erwartet, dass es ein moderner Laden ist?“ durch den Kopf. In allen Ecken baumelten lustige Karnevalskostüme, seltsame Federboas und einzelne Stoffreste. Es roch nach alten, verstaubten Möbeln und genauso sah es auch aus. Alt. In einer der hinteren Ecken häuften sich Berge von hässlichen Stoffen, die wild durcheinander wie auf einem äthiopischen Schwarzmarkt zerwühlt waren. Ich hielt Ausschau nach einer Nähmaschine und wurde schließlich auch fündig. Irgendwo zwischen Kostümen und Angebotsaufstellern standen tatsächlich ein paar Nähmaschinen. Mich empfing dort eine traurige Auswahl an zu teuren Nichtskönnern von Brother und noch teureren passablen Maschinen ebenfalls von Brother. Aber wo waren die Berninas? Wo zum Teufel waren meine Berninas? Ich tat ein bisschen interessiert, schaute mir die für mich eh unwichtigen Maschinen von Brother an und hoffte, dass mich bald ein wahrscheinlich eh unkompetenter „Fachhändler“ beraten würde und mir sagen konnte, wo denn nun die Maschinen waren wegen denen ich hier war. Nach einer Weile tauchte tatsächlich ein alter Mann auf, der mir sofort die tollen Maschinen von Brother zeigte und mich kaum zu Wort kommen ließ. Irgendwann kam die Frage: „Was soll denn Ihre Maschine können?“ Ich fing erstmal klein an und sagte kleinlaut: „Ein Alphabet wäre nicht schlecht. Und ich möchte maximal 400 € ausgeben.“ Der Mann lachte. Was war so witzig? „Das geht nicht, sowas gibt es nicht. Ein Alphabet bekommen Sie erst ab 500 €. So wie hier, da haben wir bla bla bla.“, sagte er und humpelte stolz zu einer 650 € teuren Maschine. Natürlich gibt es das, dachte ich frustriert und ärgerte mich schon jetzt, dass ich meinen Samstagvormittag hier verschwendete und nicht lieber die Fenster putzte. Er erzählte mir einiges von der tollen Brother und rief seine auch nicht viel kompetentere Frau zu sich, die mir das Prachstück ja mal vorführen könnte. Die gute Frau kam und war total euphorisch. Die Maschine sei ja so toll und konnte ja alles, sie war einfach perfekt und wurde in der letzten Woche von allen Teilnehmerinnen des Nähkurses gekauft. Die Menschen, die hier Nähen lernten taten mir Leid. Ich hatte zwar nie einen Nähkurs besucht, aber ich wusste, dass ein Nähkurs im Normalfall keine Verkaufsveranstaltung war. Und wenn die gute Frau all ihren Teilnehmern mit ihren wundervollen Maschinen so in den Ohren liegt, dann konnte so ein Nähabend einfach nicht schön sein. Inzwischen fummelte die Fachhändlerin an der Maschine rum und wollte mir den tollen Nadeleinfädler vorführen. Aber leider zeigte die Brother genau das Gegenteil. Die gute Frau wurde langsam nervös und versuchte das ganze Dilemma auf die vom Werk aus falsch eingefädelte Oberfadenspule zu schieben. Irgendwann klappte es dann doch und sie sagte zufrieden: „Auf eine Brother ist eben immer Verlass, auch wenn mal falsch eingefädelt wurde.“ Dieser Satz ergab für mich nicht wirklich viel Sinn, aber ich sagte nichts weiter und wollte es einfach nur hinter mich bringen. Sie zeigte mir diverse Stiche auf verschiedenen Stoffen und reichte mir immer wieder stolz ihr Nähstück, welches ich mit gequältem „Aaaah!“ und „Ooooh!“ begutachtete und es immer trauriger fand, dass diese Person Nähkurse geben sollte und diese unsauberen Stiche wahrscheinlich als das absolute Nonplusultra verkaufte. „Können Sie mir mal die Buchstaben zeigen?“, fragte ich irgenwann und die Frau legte sofort los. „Wir haben hier drei verschiedene Alphabete.“, sagte sie, „Alle in Großbuchstaben und mit Sonderzeichen. Wir nutzen am liebsten bla bla bla.“ Ich stutzte und fragte: „Nur Großbuchstaben?“ Die Frau glotzte mich über ihre Brille hinweg an. „Ja, nur Großbuchstaben. Alles andere kostet weit über 1000 €.“, sagte sie selbstgefällig und überheblich als hätte ich keine Ahnung. „Ich hätte aber auch gern kleine Buchstaben, wenn ich schon ein Alphabet nähen kann.“, sagte ich nun leicht genervt, „Und dass das geht, habe ich gesehen. Es gibt diverse Marken wie zum Beispiel Wertarbeit, die zwei Alphabete für 400 € bieten. Mit kleinen Buchstaben.“ „Das ist Müll.“, sagte sie und ihr unqualifizierter Mann, der sich inzwischen hinter uns positioniert hatte sagte: „Kleine Buchstaben braucht man auch nicht, man kann ja auch alles groß schreiben. Das ist modern.“ Ich verkniff es mir, etwas über Mode im Zusammenhang mit diesem Laden zu sagen und sagte auch nichts weiter zu dem Kommentar der Frau. Ich wollte einfach nur noch weg. Aber in meinem Hinterkopf lächelte mich noch die Bernina an, die es hier ja angeblich geben sollte. Nachdem die Frau ihr ganzes Können an der Brother gezeigt hatte fragte ich noch vorsichtig nach der Marke und meine böse Vorahnung bestätigte sich. Die Maschinen würden hier nicht mehr verkauft, weil die Nachfrage zu gering war. Nun hielt mich hier nichts mehr. Der Mann belud mich mit diversen Prospekten von den verschiedenen Modellen und erklärte mir noch einmal, welche Vorteile ich denn hätte, wenn ich die Maschine hier kaufen würde. Ich nickte und sagte nur: „Ich werde es mir überlegen!“ Dann schloss ich die Tür hinter mir, sah David an und atmete tief durch. Ich hatte es geschafft. Und ich war nicht komplett ausgerastet. Ich war zufrieden mit mir.

Das Ergebnis

Wie ihr euch bestimmt denken könnt, habe ich mich gegen einen zweiten Besuch in der Näh-Hölle entschieden und blieb meiner vorher schon gefallenen Entscheidung treu. Es sollte die W6 N5000 werden, die mich demnächst begleiten sollte. Damit ihr euch einen kleinen Eindruck vom Umfang der Funktionen machen könnt, hier mal eine kleine Auflistung der für mich wichtigsten Eigenschaften.

  • Deutsche Marke
  • Integrierter Nähberater
  • Einfädelhilfe
  • Vernähtaste
  • Freiarm
  • Nähen mit Zwillingsnadel möglich
  • 13 Knopflöcher vorprogrammiert
  • Automatisches Knopfprogramm
  • Fadenabschneider
  • Verstellbarer Nähfußdruck
  • 7mm Stichbreite
  • 323 Stiche
  • Zierstiche, Quiltstiche, Overlockstiche
  • Stopfautomatik
  • 2 Alphabete
  • Speichern von Mustern/Namen
  • Nadelstop
  • Versenkbarer Transporteur
  • Fehlersignale bei falschem Einfädeln oder falscher Nadel
  • Freihandnähen
  • 10 Jahre Garantie
  • umfangreiches Zubehör

Und heute war es endlich so weit! Ich konnte meine Nähmaschine bestellen, nachdem sie lange ausverkauft war. Und am 07.02 wird sie bei mir ankommen. Ich fieber diesem Moment entgegen, wie ein kleines Kind seinem nächsten Geburstag oder Weihnachten. Ich freu mich einfach drauf, endlich wieder zu nähen und die vielen neuen Sachen auszuprobieren, die ich dank dem Funktionsumfang der N5000 habe. Viele neue Nähideen sammeln sich in meinem Kopf und die Lust aufs Nähen wird immer größer. Ja, ich freue mich. Und bald kann ich endlich loslegen. Und dann, ja dann gibt es kein Halten mehr. Das wird so toll. Ich freu mich :)