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Cora und ich gehen jede Woche einmal reiten. Vor fast 2,5 Jahren hatten wir das große Glück, einen kleinen privaten Stall zu finden bei dem man das tun konnte, was wir wollten. Einfach mal nach dem Arbeitstag reiten. Kein Dressur, kein Springen. Einfach aufs Pferd, durch die Eifellandschaft getragen werden und abschalten. Eigentlich ist jede Stunde schön, man lernt immer neue Dinge und es ist faszinierend wie schnell man sich an die Macken und Gewohnheiten von einem Pferd gewöhnt, wie man quasi schon bevor das Pferd etwas macht genau weiß wie es reagiert. Man wird quasi eins mit dem Pferd. Aber die letzten beiden Stunden waren etwas ganz Besonderes, ein bisschen so als hätte man eigene Pferde.

Die Umstände, die uns in diese Situation brachten waren leider nicht allzu schön. Am Samstag kamen wir beide zur gewohnten Zeit um 9.30 Uhr gut gelaunt bei Judith an, freuten uns auf den kommenden Ausritt und konnten es kaum erwarten endlich die Pferde fertig zu machen. Judith war schon da und äppelte die Koppel ab, als sie uns krächzend begrüßte. Oh weh, Judith hatte es anscheinend ordentlich erwischt. Und tatsächlich hatte Judith sich eine schöne Erkältung eingefangen, hatte am Abend zuvor sogar überlegt unsere Stunde abzusagen weil es ihr so mies ging. Sie sagte, dass sie wohl heute nichts auf dem Pferd machen könnte. Meine Stimmung sank ein bisschen. Schade, dachte ich, dann werden wir wohl nur eine Platzstunde machen können. „Heute kommt wirklich alles zusammen. Ich bin krank, Xenia hat ein Hufgeschwür und der Reitplatz ist gefroren. Da werden wir wohl nur ins Gelände gehen können und ich gehe zu Fuß nebenher.“, sagte Judith. Na klasse, also  schon Gelände aber vielleicht allenfalls mal 20 Meter hin und zurück galoppieren. So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Wir machten also Fee und Watan fertig und gingen los in den Wald. Ich ritt auf meinem persönlichen Liebling Watan, ich habe einfach eine Schwäche für Schimmel und er ist vom Temperament her einfach total cool und umgänglich. Cora war auf Fee, die Judith erst seit 1,5 Jahren hatte und noch recht jung ist. Seit meinem Unfall letztes Jahr war ich nicht mit ihr im Gelände, nur ein paar mal auf dem Platz. Daher war ich eher weniger drauf erpicht auf sie zu gehen, zumal Judith angekündigt hatte, dass heute einer ihrer „Mulitage“ war.

An einer Kreuzung direkt am Anfang des Waldes blieb Judith stehen. Jetzt kommt das übliche einzeln bis zur nächsten Kurve traben und zurück, dachte ich. Aber es kam anders. Judith erklärte uns, wo wir lang gehen sollten. Wir würden uns dann nachher an einem besprochenen Punkt treffen. Wie? Cora und ich würden allein durch den Wald reiten? Ganz allein? So richtig? Wahnsinn! Wie lange hatte ich davon geträumt sowas mal zu machen? Judith stapfte also los und auch Cora und ich ritten voran – in die andere Richtung. Im ersten Moment konnte ich das noch gar nicht wirklich realisieren. Und ich glaube auch Cora konnte es nicht fassen, dass wir jetzt wirklich allein unterwegs waren. Als wir ein paar Meter gegangen waren guckten wir uns ungläubig an und im nächsten Moment strahlte Cora wie ein Honigkuchenpferd – ich sah wahrscheinlich nicht anders aus. Es mag vielleicht simpel klingen, wir sind allein durch den Wald geritten, was heißt das schon? Aber man sollte vielleicht dazu sagen, dass Judith ihre Pferde hütet wie ihre Augäpfel und wohl niemanden außer ihre Freunde, die während ihres Urlaubs die Pferde hüteten, allein mit ihren Pferden losschicken. Sie ist extrem auf Sicherheit bezogen, sowohl für ihre Tiere als auch für ihre Schüler, was ich auch richtig finde. Cora und ich hatten ziemlich am Anfang mal vorsichtig nachgehakt, ob man auch mal allein ins Gelände gehen dürfte. Damals hatte sie nur gelacht und gesagt, dass ihr das viel zu gefährlich wäre. Und nun waren wir hier. Allein mit ihren Pferden. Das war ein enormer Vertrauensbeweis wie ich fand, und ich fühlte mich wirklich gut damit und war auch etwas stolz darauf. Wir ritten also eine Weile geradeaus, uns immer wieder fragend ob wir noch richtig waren, bis wir an die Stelle kamen von wo aus wir immer galoppierten. Und da Judith es offiziell erlaubt hatte, ließen wir es uns natürlich nicht entgehen die Galoppstrecke auch dieses Mal mitzunehmen. Es war einfach toll, selbst bestimmen zu können in welchem Tempo man gehen wollte, wären wir frech gewesen hätten wir sogar selbst den Weg bestimmen können. Aber natürlich wollten wir Judiths Vertrauen nicht missbrauchen und hielten uns brav an den vorgegebenen Weg. Nach einer Weile trafen wir schließlich auf Judith. Ich war einerseits froh, dass wir wirklich auf dem richtigen Weg gewesen waren, andererseits aber auch enttäuscht, dass der Ausritt nun fast vorbei war. Wir konnten noch ein kleines Stück allein gehen und trafen uns dann wieder kurz vor der Straße. Nach dem Ausritt halfen wir Judith noch ein bisschen im Stall, äppelten die restlichen Pferdehaufen weg und halfen bei der Versorgung von Xenias Huf. Die Ärmste hatte bei dem Wetter wirklich kein Glück, da durch den Schneematsch immer wieder Feuchtigkeit und Dreck an die Wunde kam. Und dann war unsere Stunde vorbei, wie immer viel zu schnell. Aber dafür schwärmte ich dieses Mal bestimmt doppelt so lange davon wie sonst.

Auch heute war Xenia noch nicht einsetzbar und auch der Platz war noch von Schnee und Eis bedeckt. Aber dafür war uns fast klar, dass wir wieder allein unterwegs sein dürften. Dieses Mal hatte ich sogar mein Handy dabei um Fotos machen zu können, was ich am Samstag natürlich nicht parat hatte. Heute hatten wir jedoch durch den gefrierenden Schnee auf den Wegen einige Einschränkungen. Galopp war so gut wie gar nicht drin und auch traben konnten wir nur auf bestimmten Strecken. Den Wald brauchten wir uns gar nicht erst anzugucken, der war spiegelglatt. Also hielten wir uns immer in der Nähe des Stalls auf, gingen erst ein ruhiges Ründchen über Wald- und Wiesenwege – natürlich dieses Mal mit Fotopause – und trafen uns an einer Kreuzung wieder mit Judith. Von hier aus trennten wir uns, Cora ging mit Fee quer über die eine Wiese und konnte auf dem Rückweg traben oder galoppieren, so wie sie wollte. Watan und ich  gingen über eine andere und wir trabten auf dem Hinweg, während der Rückweg im Schritt gemacht werden sollte. Ich merkte recht schnell, dass die Wiese durch den Matsch unter dem Schnee etwas rutschig war und parrierte lieber frühzeitig zum Schritt durch, bevor wir uns langlegten. Wir gingen also gemütlich in Richtung der einen Ecke der Wiese, drehten bequem um und eigentlich wollte ich dann schön im Schritt zu Judith zurück gehen. Aber Watan hatte andere Pläne. Er machte zwei, drei Freudensprünge (und das meine ich wörtlich) und galoppierte dann los. Schwer machen war nicht drin, da ich bei seinem schwungvollen Galopp immer wieder aus dem Sattel geschleudert wurde. Ich saß ein paar Takte aus und wrumste mich dann in den Sattel und zog energischer an den Zügeln. Und prompt trabte er friedlich weiter und wechselte schließlich auch in den Schritt, was ihm natürlich nicht schmeckte. Er schmollte. Auch Cora schien Probleme zu haben die warm gewordene und lauffreudige Fee zu halten, denn binnen weniger Sekunden war sie vom dreiviertel des Hinwegs im Schritt zu Hälfte des Rückwegs im Turbogalopp gelangt und kam total außer Atem zurück bei Judith an. Da hatte sich gezeigt, dass die Pferde es leid waren die letzten beiden Tage nur Schrittrunden durchs Dorf oder auf dem Platz zu machen. Sie hatten Power und Lust – und das merkte man ihnen auch an. Wir machten noch zwei Runden im Trab um Judiths Sommerwiesen und hatten dann auch diese Stunde viel zu schnell beendet.

Ich genieße die Stunden mit den Pferden, egal ob nun allein im Gelände oder auch auf dem Platz.  Aberso ein Ausritt ist immer etwas Besonderes, insbesondere natürlich wenn man mal ohne „Aufsicht“ losziehen darf. Da es Xenia wieder besser geht und sie nächste Woche wohl auch wieder reitfähig ist, denke ich dass es wohl das letzte Mal war für eine sehr lange Zeit, dass wir einen solchen Augenblick genießen konnten. Aber dafür wird er uns wohl auch immer in Erinnerung bleiben, als das erste Mal, dass wir allein ausreiten durften.

PS: Nein, ich sehe nicht wirklich aus wie das Michelin-Männchen. Ich habe mich wegen der Kälte heute nur besonders dick angezogen^^

Sarah

Hallo, ich bin Sarah :)
Ich liebe es kreativ zu sein, was sich sowohl in meiner Berufswahl als auch in einem meiner liebsten Hobbies, dem Nähen, widerspiegelt. Wenn ich nicht gerade nähe oder blogge, koche ich gern oder lasse die Seele baumeln, am liebsten auf dem Pferderücken. Mein zuhause teile ich mir mit David und den beiden komischen Katzen Piri und Bohne. Seit Ende September ist nun auch das Minikröhnchen endlich bei uns und bereichert Tag für Tag unser Leben ♥

2 Replies to “Ein willkommener Ausgleich zum Büroalltag”

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