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Glück, das

etwas, was Ergebnis des Zusammentreffens besonders günstiger Umstände ist; besonders günstiger Zufall, günstige Fügung des Schicksals

Duden

Die Definition von Glück sieht für jeden wohl anders aus. Familie, Geld, Karriere, Talent oder auch Katzen – all das und noch viel mehr kann uns glücklich machen. Und oftmals hat man schon früh eine Vorstellung davon, was genau uns glücklich macht. Man hat dieses Ziel im Leben, man will glücklich sein. Denn so ist es doch, oder? Ganz egal wie der Weg dahin aussieht und auf welches Ziel man hinarbeitet – am Ende steht das Glück.

Das scheint auf den ersten Blick recht einfach. Tue etwas für deine Ziele und du wirst glücklich. Aber was, wenn man zu viel vom Glück erwartet hat? Und einen das, was man immer für das größte Glück gehalten hat, gar nicht glücklich macht? Was, wenn man sich eingestehen muss, dass dieses größte Glück gar nicht das eigene war?

Manchmal ist es schwer die richtigen Worte zu finden, ohne falsch verstanden zu werden. Nur allzu schnell wird man als egoistisch, undankbar oder naiv abgestempelt. Und eigentlich sollte ich doch glücklich sein. Immerhin wird es doch überall so suggeriert – die glückliche Familie.

Alle sitzen glücklich morgens beim Frühstück, klecksen ihren Schokoaufstrich aufs Brot, albern herum und sind glücklich. Die Mutter bringt die Kinder in die Schule und Kita, trifft dort ihre Mutti-Freundinnen, sie lachen und gehen noch fix einen Kaffee trinken. Nachmittags ist die Wohnung blitzblank geputzt, die Kinder kommen glücklich und „Mamiii“ rufend nach Hause, erzählen von ihren Erlebnissen. Muddi ist großzügig und spendiert für alle eine Runde kalte Sahne-Schoko-Schnitten – natürlich auch für die Nachbarn. Sie spielen, haben Spaß und lachen. Von morgens bis abends gute Laune.

Dass das nicht die Realität ist, ist klar. Niemandem scheint 24/7 die Sonne aus dem Hintern. Schlechte Tage mit Miesepeter-Laune gibt’s immer mal. Aber wenn man mehr und mehr den Gedanken hat eine Rabenmutter zu sein, weil eben dieses Mutter-Ding das Leben nicht zu 100% ausfüllt und man sich mehr und mehr nach etwas anderem sehnt, dann kommt man doch mächtig ins Wanken.

Versteht mich nicht falsch, ich liebe meine Kinder! Und dennoch glaube ich dass es uns allen besser gehen würde, wenn ich nicht ihre Mutter wäre. Ich liebe meine Kinder sehr und wünsche mir nichts mehr für sie, als das sie glücklich sind. Und nur allzu oft frage ich mich, ob sie es sind. Ich beschäftige mich viel mit ihnen. Aber in Gedanken bin ich dabei immer mehr bei Dingen, die ich lieber tun würde. Solche Gedanken lassen doch sehr an den typischen Mutti-Fähigkeiten zweifeln.

Als Frau – Mutter – dreht sich das Leben ab der Geburt um 180 Grad. Im Anfangsflausch ist man glücklich, das Baby ist da! Aber nach und nach – so ging es mir zumindest – wollte ich mein altes Leben zurück. Zumindest teilweise. Kleiner Spoiler – es hat nicht funktioniert. Ab Geburt des Kindes dreht sich das Mutter-Leben meistens nur noch ums Kind. Und das ist von der Natur ja auch äußerst praktisch eingerichtet!

Aber ich vermisse meine Freiräume. Meine Zeit ohne Kinder. Die ich zwar habe, aber eben immer nur stundenweise. Und selbst dann sagt mir mein Unterbewusstsein „Du schlechter Mensch! Lässt deine armen Kinder einfach so zuhause zurück!“ Wobei ich ja weiß, dass David für sie hier ist und sich mindestens genau so gut kümmert wie ich. Und dennoch, als Mutter denkst du anders. Und es schnürt mich ein, nimmt mir die Luft zum Atmen.

Ich möchte nicht nur Mutter sein, möchte nicht automatisch den Stempel aufgedrückt bekommen. Wenn ein Mann Vater wird ist er gesellschaftlich gesehen in der Regel noch immer der gleiche Typ wie vorher. Als Frau bist du ab dem Zeitpunkt vor allem eins – Mutter. Du bist die, die die Elternzeit macht, die zuhause bleibt wenn das Kind krank ist, die sich um die Organisation von Terminen kümmert, um Geburtstage und, und, und.

Wobei es ja auch immer mehr Väter gibt, die genauso zuhause bleiben und in ihrer Vaterschaft zu 100% aufblühen. Und diese Väter werden dann in den Himmel gelobt, wie toll das ja sei. Dass sie x Monate Elternzeit nehmen und dafür so eine tolle Bindung zum Kind aufbauen. Ohne Frage – sowas ist großartig und wir brauchen mehr davon! Aber hört man als Frau, wie toll es ist dass man ein Jahr und länger mit dem Kind zuhause bleibt? Nein – es wird schlichtweg erwartet.

Seit der Corona-Schließung erdrückt mich dieses Muttersein noch mehr. 3 Monate Homeoffice plus zwei Kinder, Haushalt und vernünftiges Mittagessen hat mich an meine Grenzen gebracht und darüber hinaus. Ich habe mir nicht nur einmal gewünscht, vor ein paar Jahren eine andere Entscheidung getroffen zu haben – für ein Leben ohne Kinder. Ich könnte vernünftig arbeiten, hätte nach der Arbeit Zeit für Haushalt, Hobby und Co und könnte ohne schlechtes Gewissen auch mal ein Wochenende mit Netflix auf dem Sofa verbringen.

Aber vermutlich würde mir etwas fehlen. Vermutlich würde mich auch das nicht glücklich machen, zumindest nicht immer. Spätestens wenn meine Freundinnen schwanger wären, hätte dieses fehlende Glück wohl angeklopft. Es ist eine Krux. Vielleicht kommt es noch, das große Glück, das ich erwartet habe. Vielleicht ist das hier gerade nur Glück mit Einschränkungen. Vielleicht habe ich auch einfach nur zu viel erwartet.

Sarah

Hi, ich bin Sarah. Ich bin von Herzen Mama vom Mini- und Pixikröhnchen, sehne mich aber hin und wieder nach Zeit nur für mich. Ich bin ein unruhiger Kreativkopf, muss und möchte mich immer beschäftigen. Ich liebe es zu nähen, zu backen und zu reiten, aber auch mal nichts zu tun.

3 Replies to “Vom Glück und was man davon erwartet”

  1. Meine Liebe,
    du brauchst überhaupt kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn du arbeiten gehst. Wirklich nicht. Ich bin fest davon überzeugt, dass ich den Kindern gegenüber deutlich gelassener und weniger gereizt bin, wenn ich nicht rund um die Uhr für sie da sein muss. Das ist mir besonders aufgefallen, als ich nach 7 Monaten wieder 35h die Woche arbeiten gegangen bin. Diesmal habe ich mir einen 7h Tag gegönnt, weil abends und morgens stillen UND noch ein großen Geschwisterchen, das wäre anstrengend geworden ;-). Und als mein Mann dann wieder arbeiten gegangen ist, war ich auch 3 Tage die Woche arbeiten und die Kleine bei meinen Eltern. Gerade da ist mir nochmal bewusst geworden, wie ich durch das Arbeiten Gelassenheit für die Kinder tanke. Versuch dir das vor Augen zu führen, dass du keine schlechte Mutter bist, sondern im Gegenteil durch deine Abwesenheit die Chance hast, wenn du denn zu Hause bist, nicht völlig genervt zu sein. Da haben die Kinder mehr von ;-) Und: Dass alle Mütter automatisch glücklich sind, sich nur noch mit den Kindern zu beschäftigen, halte ich für ein gefährliches Gerücht. Das setzt völlig unnötig unter Druck – und ich bin fest überzeugt, dass es viele da draußen gibt, denen es genauso geht.
    Was die Kinder angeht, die deiner Meinung nach eine andere Mutter verdient hätten? Eine, die voller Freude den ganzen Tag sinnlos Autos hin und her schiebt, sich für Ihre Kinder aufopfert und nur für sie lebt? Ob es ihnen dann langfristig besser geht, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Finde etwas, was du gern mit den Kindern zusammen machst und wofür immer mal wieder Zeit gefunden wird und versuche, dir die schönen Momente bewusst zu machen. Dann klappt das schon ;-) Meine Mutter z.B. findet kneten und basteln total doof, backt aber gerne und lässt die Kids mit Hefeteig matschen. Ist doch auch super!

    1. Liebe Andrea,

      danke für deinen lieben Kommentar. Tatsächlich kann ich das total bestätigen – ich genieße meine Auszeit auf Arbeit. Nach den zwei Wochen Kita-Ferien war das Arbeiten tatsächlich schon ein bisschen wie Urlaub :D Dass alle Mütter automatisch glücklich sind, glaube ich auch nicht und wollte das so auch nicht darstellen. Nur finde ich, dass man immer etwas verstört angeguckt wird, wenn man so etwas sagt. Nach dem Motto „Waaas? Du baust nicht gerne stundenlang Lego und Sandburgen? Warum um alles in der Welt hast du dann Kinder?“ Dass es vielen anderen auch so geht, denke ich auch. Zumindest sehen es ein paar meiner Mutti-Freundinnen auch so. Und zu deinem Tipp – das ist eine gute Idee! Tatsächlich basteln wir sehr viel zusammen – auch wenn mein innerer Monk gerne alles alleine machen würde und die Kinder nur zugucken dürften. Aber ich denke, mit dem Alter wird das auch etwas besser :)

      1. Hallo Sarah,
        „Waaas? Du baust nicht gern stundenlang Lego und Sandburgen? Und warum hast du dann Kinder?“ Ist tatsächlich, zumindest online, eine weit verbreitete Einstellung. Habe ich auch letzens mit einer Freundin diskutiert, die schwankte, ob sie Kinder bekommen möchte oder nicht. Ich finde das aber eine absurde Vorstellung – Kinder sind so viel mehr als nur Kleinkinder! Und so viel mehr als Lego und Sandburgen, auch als Kleinkinder. Was ich meinte ist, dass ich überzeugt bin, dass jede Mutter irgend etwas finden kann, was sie wirklich gerne mit ihren Kindern macht, egal in welchem Lebensabschnitt – aber dass sie nicht alles gerne machen muss, was von der Gesellschaft erwartet wird. Und ich bin mir auch sicher, dass Mütter, die nicht so auf Kleinkinder abfahren sondern das „Lieblingsalter“ eher in der Grundschule haben, deshalb keine schlechteren Mütter sind. Die „ich will unbedingt ein Baby haben und die Kleinen sind ja sooo süß, ich spiele sooo gerne mit denen“ Fraktion kommt dann unter Umständen nicht damit klar, dass die Kinder älter werden, Freiheiten brauchen, ernst genommen werden wollen und eben keine Knutschkugeln mehr sind. Und trotzdem Zuwendung brauchen – aber eben anders. Ob das besser ist?
        Ich bin überzeugt, du findest deinen Weg, und ich bin auch überzeugt, dass du keine schlechte Mutter bist. Und das mit dem Glück – ich glaube nicht, dass man irgendwo hin arbeitet, um am Ende mit Glück belohnt zu werden. Glück ist, so wie ich das erlebe, immer mal wieder ein kleiner Moment, eine Stunde – mal mit Kindern, mal ohne. Ich mag das Wort Glück sowieso nicht so wirklich, ich finde, Zufriedenheit trifft es eher. Aber das ist nur meine Sicht ;-)

        Und ja, das Alter richtet einiges. Ich war soo glücklich, als wir sinnloses Bahnen hin und her geschiebe mit Brettspielen tauschen konnten. Mit 2 3/4 waren die zwar mega simpel, aber mir hat es deutlich mehr Spaß gemacht. Und wir haben wirklich unglaublich viel Brettspiele gespielt. Bin mal gespannt, ob das mit der Kleinen auch so ist, in einem halben Jahr müsste sie soweit sein. Und jetzt steht der Große total auf Fahrradtouren, um die Gegend zu erkunden. Wir sind umgezogen ;-) und 10km kann der mit seinen 5 Jahren jetzt ganz gut fahren. Außerdem kann er dabei seine Schwester nicht ärgern :-)

        Ich drücke die Daumen, dass du mit dir und deiner Mutterrolle Frieden machen kannst, das schlechte Gewissen etwas weniger wird und du immer wieder zufriedene und glückliche Momente wahrnimmst. Dass das „regretting motherhood“ nicht zu viel Platz einnimmt, sondern du das Beste draus machst, und dann rückblickend sagen kannst „ja, war gut so, wie es war“.

        Viele Grüße,
        Andrea

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