Es gibt ja so Sätze, die kann man als Elternteil irgendwann nicht mehr hören. Und bei mir ist es eben der Satz „So ein freundliches Baby!“ in allen Variationen. Versteht mich nicht falsch, das Minikröhnchen ist großartig und ich liebe es Zeit mit ihm zu verbringen. Klar, es ist auch mal anstrengend. Sehr anstrengend. Aber das gehört nunmal dazu und ist normal. Wir haben ja auch nicht immer beste Laune, stehen mal mit dem falschen Fuß auf und finden auch mal alles doof. 

Unsere Kinderärztin bezeichnete einige Neugeborene damals als Reflexmonster, als ich ihr von meinen Sorgen mit dem ständig weinenden Baby-Kröhnchen erzählte. Wenn ein Baby etwas doof findet, dann richtig. Da gibt es keine Abstufung zwischen „Ok, schön ist es nicht. Aber es geht schon.“ und „Neeeee, das geht jetzt absolut gar nicht!“ Da ist dann eben alles, was irgendwie stört sofort zu 100% blöd. Und das Minikröhnchen? Das ist noch immer ein Reflexmonster. Findet er etwas doof, und wenn nur die Katze aus dem Raum geht, bricht seine Welt zusammen. 

Er weint mit Tränen, eigentlich immer und schnell. Er wird bockig, schlägt um sich und trampelt wütend umher. Das ist alles normal, er ist kein Einzelfall. Und genau wie bei anderen ist das zum Großteil unser Alltag. Ich habe mich damit abgefunden, weiß damit umzugehen. Das Problem ist, dass man auf wenig Verständnis stößt. Denn dieses Verhalten, das gibt es mit wenigen Ausnahmen nur zu Hause. Wie bei vielen anderen eben auch. Unterwegs und bei anderen zu Besuch ist er so gut wie immer lieb. Und das ist das Problem.

Und das ist irgendwie ja auch vollkommen logisch. Das Baby weiß, egal wie doof ich gerade bin, Mama und Papa lieben mich. Die werfen mich nicht dem Säbelzahntiger von nebenan zum Fraß vor. Beim netten Neandertaler-Nachbarn von nebenan würde es dafür sein Speckhändchen nicht ins Feuer halten. Da können noch so viele tausende Jahre Evolution dazwischen liegen. Babys wissen, wenn du nicht willst dass andere dir etwas tun, sei immer brav. Und so grinst das Minikröhnchen jeden anderen fleißig an und winkt euphorisch.

Natürlich sorgt das bei anderen immer für den Eindruck, dass das Minikröhnchen immer super lieb und mit allem zufrieden ist. Und das ist ja auch gut, wer präsentiert sein Kind schon gern als Miesepeter-Baby vor anderen. Wenn Fremde mich unterwegs ansprechen, wie lieb und süß er doch sei, dann nehme ich das auch hin und freue mich. Aber es gibt ja nunmal auch einige, die insbesondere um unsere änfänglichen Probleme wissen. Die auch mal erfahren, wenn ein Tag blöd war. Die es aber trotzdem nicht verstehen. Denn wenn man dort ist, ist das Baby glücklich. Und dann fallen eben Sätze wie „So ein freundliches Baby!“ Ein Hinweis darauf, dass das ja nunmal Zuhause meist anders läuft wird ignoriert. Höchstens der Hinweis „Wenn man macht was er will, ist er glücklich.“ Danke. Und genau das macht mich wütend, traurig, frustriert mich. 

Man fühlt sich, als wäre man die einzige Mutter der Welt, die nicht mit ihrem Baby umgehen kann. Als wäre das Baby nur zufrieden, wenn er bloß nicht mit mir allein ist. Es tut weh, so etwas ständig zu hören. Es ist ok, wenn man es einmal gesagt bekommt. Es ist nicht ok, wenn es ständig wiederholt wird, teilweise provokant. Es ist nicht ok, dass darauf herumgeritten wird, wenn man mal etwas dagegen sagt. Es nervt irgendwann einfach nur noch. 

Wenn dann mal eine Situation kommt die bei uns eben Alltag ist, wird direkt erstaunt gefragt was denn wäre. Was das arme Kind denn hätte. Und wir reagieren entspannt, dass das eben normal sei. Aber wahr haben will es natürlich niemand. 

Dieser Text brennt mir schon lange auf der Seele. Schon lange wollte ich dazu schreiben, weil es mich einfach belastet. Ich will hier nicht jammern, dass das Minikröhnchen so ist wie er ist, denn so ist er genau richtig. Und nur weil er Zuhause ab und an seine Ausraster hat ist er nicht automatisch ein unzufriedenes Baby. Aber ebenso ist er nicht gleich ein freundliches Baby, weil er unterwegs gute Laune hat. Er ist ein normales Baby. Das eben mal gute und mal schlechte Laune hat. So wie jedes andere eben auch.