Lang war es hier ruhig, sehr ruhig. Mir fehlte nicht nur die Zeit, sondern auch die Lust am Schreiben. In meinem Kopf dreht sich seit Wochen ein wildes Karussell. Wie geht es weiter, im nächsten Jahr? Wenn Mini und Pixi in der Betreuung sind steht für mich fest, dass ich wieder arbeiten will – in meinem gelernten Beruf. Agenturjob? Hatte ich nicht letztes Jahr noch gesagt, dass ich mir das mit Kindern nicht vorstellen kann?

Ja, habe ich. Und sicher, das wird nicht einfach. Deadlines, Kundentermine und vielleicht auch mal eine Veranstaltung über ein Wochenende sind mit Kindern nicht gerade gut zu koordinieren. Aber – es gibt ja nicht nur mich, sondern auch David. Und ich denke, dass auch er mal ganz gerne beim Abholen und Bringen einspringen kann, wenn es bei mir nicht klappt.

Mein Hirn kommt mir momentan vor wie eine schrumpelige, alte Dörrpflaume. Mir fehlt es, mich zu fordern und nach kreativen Ideen und Lösungen zu suchen. Mit Kunden an einem Projekt arbeiten, in dem ich mich vollends kreativ ausleben darf. Neue Techniken ausprobieren und absolut begeistert zuhause am Abend davon berichten. Ich vermisse das, sehr sogar. Und mein Alltag beschränkt sich momentan auf nonstop Kinderlieder, Bilderbücher, Windeln und kleine und große Wutanfälle.

Natürlich liebe ich meine Kinder, auch wenn sie mich hin und wieder in den Wahnsinn treiben. Aber mir fehlt langsam dieser Ausgleich. Das Nicht-Nur-Mama-Sein. Auch mal wieder ein ganz normaler Mensch sein. Gespräche über die nächste geplante Werbekampagne oder die Firmenfeier vom Wochenende. Einfach mal wieder ein paar andere Themen haben, als Beikost, Schlaf oder die neusten DM-Ausbeuten. So schön es auch ist mit Mini und Pixi zu Hause zu sein, so unzufrieden bin ich momentan mit mir selbst.

Es ist Stillstand. Wenn sich etwas bewegt, dann eher zurück als nach vorne. Ich habe so viele Ideen, nehme mir so viel vor um einen Ausgleich zu finden. Ich will nähen, ich will lesen, ich will das Babyalbum vom Mini weiter machen. Abends sitze ich aber dann meist nur wie eine dicke Frustkugel auf dem Sofa und bemitleide mich selbst. Und wofür, das weiß ich selbst nicht genau. Denn eigentlich sollte ich doch glücklich sein. Zuhause mit meinen zwei Kindern, die gesund und munter sind. Die mich lieben, so wie ich bin. Die lachen und glucksen, wenn ich sie kitzle oder einen Fischmund mache.

Wenn ich an all das denke, platzt mein Herz fast vor Stolz. Warum also, bin ich so furchtbar unzufrieden? Sollte ich die Zeit zuhause nicht viel mehr genießen, statt mich schon jetzt aufs Ende der Elternzeit zu freuen? Auf einen neuen Job? Vielleicht ist es auch die Unsicherheit. Denn nach der Elternzeit werde ich eine ganz neue Stelle antreten. Ich weiß nicht wo, ich weiß nicht genau in welchem Bereich genau und ich weiß nicht in welche Richtung die Agentur sich spezialisiert hat. Vielleicht gehe ich auch gar nicht in eine Agentur, sondern in ein Unternehmen mit eigener Marketingabteilung? Oder – will mich vielleicht gar niemand einstellen und am Ende sitze ich im Discounter an der Kasse?

Immerhin bin ich nach der Elternzeit drei Jahre raus. Drei Jahre, in denen ich weder großartig kreativ war noch bahnbrechende Online-Kampagnen realisiert habe. Kann ich das überhaupt noch, kreativ sein? Oder ist die Dörrpflaume in meinem Kopf nun voll und ganz auf Sparflamme umgestiegen und kann nur noch die Texte sämtlicher Kinderlieder speichern? Kann man sowas verlernen, kreativ sein? Und wenn ja, kann man es auch wieder neu lernen? Ich möchte es so gern.

Wie gern würde ich mal wieder einen Kaplun-Workshop machen und einen Tag vor meinem Rechner versinken. Wann war ich da überhaupt zum letzten Mal dran? Ich glaube, als ich die Dankeskarten für Pixi gemacht habe. Wie gern würde ich mal wieder bei einem Design-Wettbewerb mitmachen. Stundenlang mit Photoshop, Illustrator und Co an dem perfekten Ergebnis arbeiten. Stolz wie Bolle das Ergebnis einreichen und total aufgeregt auf die Auswahl der Finalisten hinfiebern. Vielleicht würde ich sogar nach langer Zeit mal wieder einen Wettbewerb gewinnen. Wie sehr mir das fehlt. Stolz sein, auf das was man getan hat. Auf seine Arbeit, für die man brennt. Andere damit zu begeistern. Zu sehen, wie sehr Kunden sich über das Ergebnis freuen und mit einem Hochgefühl direkt das nächste Projekt angehen.

Ich wünsche mir so sehr, dass ich das alles irgendwann wieder haben kann. Dieses Selbstbewusstsein, dass ich gut bin in dem was ich tue. Dass ich kreativ bin. Den Mut, mal ganz andere Dinge auszuprobieren als den Standard. Und damit dann entweder ins Schwarze treffen oder mit neuen Ideen von vorne anfangen. Ich wünsche mir, dass irgendein Arbeitgeber vielleicht ein Fitzelchen Potential in mir sieht im nächsten Jahr. Und dass ich ihm beweisen kann, dass er sich nicht geirrt hat.